Ein (fast) perfekter Mord an der Wilhelm-Knapp-Schule

Schüler des beruflichen Gymnasiums führten eigenes Theaterstück auf

Eine Klassenfahrt verläuft ganz anders als erwartet und nimmt ein tragisches Ende – ein Schüler wird ermordet! Viele haben ein Motiv, doch wer ist der Mörder?

„Ein (fast) perfekter Mord“ ist ein Kriminaldrama, das die Schülerinnen und Schüler des Kurses „Darstellendes Spiel“ der Jahrgangsstufe 12 am beruflichen Gymnasium (BG) der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg eigenständig verfasst haben und nun auf der Bühne der Schulaula präsentierten. Verdächtige gibt es genug, Vorurteile und Klischees werden bedient und das Publikum in die Handlung einbezogen. Dabei nimmt das Stück einige überraschende Wendungen und am Ende fragt sich der Zuschauer, welche Moral sich hinter der Aufführung verbirgt.

Doch der Reihe nach: Eine Schulklasse mit Jugendlichen begibt sich auf Klassenfahrt. Gleich nach der Ankunft die erste Ernüchterung: die Jugendherberge ist alles andere als einladend, sondern heruntergekommen, verdreckt und baufällig. Marlon Koltermann, der als Erzähler zwischenzeitlich immer wieder die Handlungsstränge zusammenführte und vorantrieb, beschrieb die Rahmenhandlung, in der sich das Geschehen abspielt.

Nach und nach werden die Handlungsfiguren eingeführt. Da sind zunächst die beiden Freundinnen (Dorothea Deschoufour und Vanessa Pauly), die alles gemeinsam machen und über jeden lästern. Weiterhin gibt es in der Klasse noch ein junges Liebespaar – glänzend dargestellt von Zoe Dombach als angeberischer Macho Fred, der sich für unwiderstehlich hält, und Rianna Piske Gil als seine eifersüchtige Freundin Annabell. Und dann ist da noch der typische Außenseiter Sebastian mit seinem kleinen Köfferchen mit Kindermotiv, einem roten und einem schwarzen Kniestrumpf und einem wahnsinnigen Blick, der einen das Fürchten lehrt. Sebastian beobachtet heimlich als Spanner das Liebespaar und ist fest davon überzeugt, dass Annabell für ihn bestimmt sei und in Kürze seine Freundin wird. Timo Kratzheller stellte Sebastian gleichermaßen brillant als auch furchterregend und gruselig dar.

Dann ergänzen noch die drei ständig rauchenden coolen „Checker“ (Efe Aydin, Jakob Görlich und Nevio Kramer), die Klassensprecherin (Antonia Schütz) und ihre Stellvertreterin (Lena Rinker) sowie der Schüler (Linus Winn), der fast immer von seinem ewig pfeifenden Freund (David Thurn) begleitet wird, die Klassengemeinschaft. Es stellt sich heraus, dass die Klassensprecherin (Antonia Schütz) vor Annabel die Freundin von Fred war. Die beiden Jungs (David Thurn und Linus Winn) verhalten sich sehr merkwürdig und es bleibt unklar, ob sie nun gute Freunde sind oder nicht. Auch wird deutlich, dass die drei „Checker“ nicht nur Zigaretten, sondern auch Alkohol und Drogen konsumieren. Am auffälligsten verhält sich jedoch Sebastian, der gleichzeitig naiv, aber auch beängstigend wirkt, von allen gemobbt wird und nur das Ziel verfolgt Annabell zu erobern. Auf der abendlichen Disco-Party in der Jugendherberge fließt der Alkohol und Fred flirtet mit einer der beiden unzertrennlichen Freundinnen (Vanessa Pauly). Dadurch kommt es zu einem heftigen Streit zwischen ihm und Annabell. In diesen mischt sich Sebastian ein und droht Fred offen. Am nächsten Morgen wird Fred im Wald tot aufgefunden.

Die beiden Klassensprecherinnen übernehmen die Ermittlungen und befragen ihre Mitschülerinnen und Mitschüler, denn fast alle hatten ein Motiv oder haben sich auffällig verhalten. Im Focus der Ermittlungen steht jedoch Sebastian, der Fred ja offen gedroht hat.

Dann taucht auch noch eine Reporterin (Swea Lahr) auf, die sich nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional mit dem Fall auseinandersetzt und Fragen zum Tathergang stellt. Sie ist die einzige erwachsene Person, die in der gesamten Handlung erscheint. Diese Reporterin bildet das Bindeglied zum Publikum, denn nachdem sie mit den beiden Klassensprecherinnen gesprochen hat, wendet sie sich direkt an einzelne Zuschauer und fragt diese, wer die Täterin oder der Täter sein könnte. Vielfach wird Sebastian bezichtigt, der Mörder zu sein, da er sich am auffälligsten verhalten hat und ein Motiv hatte. Letztendlich ist es aber Sebastian, der die Wende einleitet und die Klassensprecherin als Schuldige entlarvt. Diese konnte nicht verkraften, dass Fred sie verlassen hat und mixte ihm Pillen ins Getränk, die ihn „umhauen“ sollten; doch die Dosis war zu hoch, so dass Fred daran verstarb. Die Täterin ist gefunden und geständig. Der Fall ist gelöst! Das Stück scheint zu Ende!

Doch dann betritt noch einmal Sebastian kurz die Bühne. Mit diabolischem Grinsen sagt er im Selbstgespräch: „Und sie glaubt tatsächlich, dass sie für den Tod von Fred verantwortlich ist!“

Verwirrt und staunend werden die Zuschauer zurückgelassen und fragen sich noch lange, welche Kernaussage hinter dem überraschenden Ende des Stücks steckt, das einen großen Diskussions- und Interpretationsspielraum bietet.

Neben den Akteurinnen und Akteuren auf der Bühne zählten noch Lisa Gerhardt und Killian Molitor zum Team, die als „Chor“ gemeinsam mit anderen Schülerinnen und Schülern für Hintergrundstimmen und -geräusche sorgten. Und zusätzlich zu seinem Auftritt als pfeifender Schüler war David Thurn noch die für die Technik verantwortlich.

Inszeniert wurde das Kriminalstück von Oberstudienrätin Dr. Astrid Eisbrenner, die den Kurs „Darstellendes Spiel“ an der WKS unterrichtet. Sie begrüßte nicht nur die Zuschauer, unter denen sich neben Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften der WKS auch einige Eltern der Darstellerinnen und Darsteller befanden, zu Beginn der Aufführung, sondern führte die Besucher auch in das Stück ein. Zu den Besonderheiten des Dramas zählte neben der Einbeziehung des Publikums in die Handlung auch, dass die Schauspieler nicht nur auf der Bühne agierten, sondern die gesamte Aula als Darstellungsort nutzten. Statt eines Bühnenbildes dienten Bildprojektionen als Hintergrund für die Handlungsorte und Requisiten wurden nur spärlich verwendet, so dass die Aufmerksamkeit ganz auf der schauspielerischen Darstellung der Schülerinnen und Schüler lag.

Insgesamt war es eine anspruchsvolle Aufführung, die über übliches Schülerniveau hinausging und am Ende zurecht mit viel Applaus bedacht wurde.

 

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